Miete für die selbst bewohnte Wohnung absetzen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Dass es klappt, die Miete für eine selbst genutzte Wohnung steuerlich geltend zu machen, können wir uns kaum vorstellen. Aber immerhin hat ein Ehepaar diese Frage nun vor das oberste Steuergericht gebracht, wo sich jedermann unter Angabe des Aktenzeichens (IX R 24/13) kostenlos anhängen kann.

Der Fall lag so: Das Ehepaar war aus seiner Eigentumswohnung ausgezogen und hatte diese vermietet. Die Eheleute hatten sich stattdessen eine Wohnung „im Grünen“ gemietet, die in etwa genauso viel Miete kostete wie die alte Stadtwohnung an Mieteinnahmen einbrachte.

Die Eheleute argumentierten so: „Wir haben genauso viel Einkommen wie vorher zur Verfügung, denn die Miete, die wir nun kassieren, müssen wir gleich wieder selber ausgeben für unsere Wohnung im Grünen. Warum sollen wir also mehr Steuern zahlen, wo wir doch genauso viel Einkommen haben wie vorher?“ Eine interessante Argumentation, die aber vom Finanzgericht Schleswig-Holstein zurückgewiesen wurde (21.06.13, 3 K 148/09, EFG 13, 1393). Nun muss das oberste Steuergericht entscheiden. Wir fürchten allerdings, dass auch dieses den Abzug der Miete für die selbst genutzte Wohnung nicht erlauben wird.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried

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Wann die niedrige Steuer für Privatkredite gilt

Seit Einführung der Abgeltungssteuer muss man Zinseinnahmen nur noch mit 25 Prozent versteuern. Das gilt aber nicht, wenn man einer nahestehenden Person Geld geliehen hat, die ihrerseits die Schuldzinsen absetzen kann.

Damit soll z. B. folgender Trick vermieden werden: Der Ehemann nimmt bei der Ehefrau einen Kredit für seine Firma auf und setzt die Zinsen mit bis zu 45 Prozent Steuerentlastung ab, während die Ehefrau bloß 25 Prozent Kapitalertragssteuer zahlt.

Problem: Leider ist im Gesetz nie genau definiert worden, was eigentlich „nahestehende Personen“ in diesem Sinne sind, bei denen die Regelbesteuerung statt der 25 Prozent greift. In einem aktuell entschiedenen Fall hatte der A dem B Geld geliehen, damit sich dieser an der Firma des A beteiligen konnte. Der B setzte die Zinsen zum Spitzensteuersatz ab und der A wollte bloß 25 Prozent Kapitalertragssteuer zahlen. Das Finanzamt wertete die beiden als „nahestehende Personen“, obwohl die beiden allenfalls befreundet waren.

Das Finanzamt hatte Unrecht: Das Finanzgericht Münster hat in diesem Fall den günstigen Abgeltungssteuersatz (25 Prozent) statt der vom Finanzamt gewünschten 42 Prozent für richtig gehalten (FG Münster, 20.09.13, 4 K 718/13 E, juris). Die Sache wird nun endgültig vom Bundesfinanzhof entschieden werden.

Auch ein anderer Fall, in dem eine Frau eine Unternehmensbeteiligung gegen Kredit an ihren Bruder verkaufte, ist nun beim obersten Steuergericht anhängig. Auch hier geht es um die Frage, ob die Frau mit 25 Prozent Steuer davonkommt oder 42 Prozent zahlen muss. (BFH, Az. VIII R 35/13 und VIII R 9/13)

Unser Rat: Das Finanzamt darf den günstigen Steuersatz für Kapitalerträge nur dann verweigern, wenn der Darlehensnehmer die Zinsen absetzt und der Darlehensnehmer ein Interesse an den Zinserträgen des Darlehensgebers hat. So z. B. im obigen Beispielsfall, in dem die Ehefrau dem Ehemann  Geld leiht für dessen Firma. Sonst muss es bei 25 Prozent bleiben.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried