Klammer Mitarbeiter: Darlehen oder Vorschuss geben?

Wenn ein Mitarbeiter Geldsorgen hat und Sie ihm helfen wollen, dann achten Sie genau darauf, wie Sie das Ganze bezeichnen. Ein „Darlehen” wird netto ausgereicht, also ohne Abzüge und muss demzufolge auch vom Nettolohn wieder zurückgezahlt werden. Das ist von der Handhabung her deutlich einfacher.

Bei einem Gesamtdarlehensbetrag bis 2.600 Euro brauchen Sie keine Zinsen zu verlangen. Ein Vorschuss hingegen ist eine Vorauszahlung auf das nächste Gehalt und Sie müssen Lohnsteuer und Sozialabgaben abziehen. Die Verrechnung des Vorschusses erfolgt dann vom Bruttolohn – nicht vom Nettolohn wie beim Darlehen.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried

Was Ihre Bank heimlich aus Ihrer Kontoführung folgert

Die Analyse der Bewegungen eines Geschäftskontos ist für die Bank eine wichtige Erkenntnisquelle, zumal sie diese nutzen kann, ohne dass Sie etwas darüber erfahren und ohne dass Sie es beeinflussen können.

Viele Unternehmer unterschätzen das: Kaum einer weiß, dass etwa 1/5 der Rating-Note aus der Art und Weise der Kontoführung durch den Kunden gewonnen wird. Gefährlich bei der Sache ist, dass diese Auswertung rein computergestützt erfolgt und somit besondere Umstände Ihres Unternehmens nicht berücksichtigt werden. Beispiel: Warum Sie Ihr Konto überzogen haben (unerwartet notwendig gewordene Ersatzinvestition? Ausfall eines Großkunden?), ist dem Computer egal. Er sieht nur, dass das Konto überzogen wurde.

Weitere Negativmerkmale für die Bank: • Die Kreditlinie wird fast immer am Limit oder sogar darüber hinaus ausgenutzt.
• Lastschriften oder Schecks platzen.
• Geldeingänge nehmen ab, Geldausgaben nehmen zu.
• Der Kreditbedarf steigt, ohne dass ein Grund erkennbar ist.
• Kaum geht mal Geld ein, wird es sofort für Überweisungen genutzt. Für die Bank ein Signal, dass Sie überfällige Schulden vor sich herschieben.

So können Sie diese Bewertung zu ihren Gunsten beeinflussen:
Sprechen Sie jede Überziehung der Kreditlinie vorher mit Ihrem Banksachbearbeiter ab, dann kann dieser eine entsprechende Eingabe tätigen, und der Computer wird die Überziehung als nicht so negativ bewerten. Informieren Sie Ihre Bank zeitnah – ohne eine Mahnung abzuwarten – über Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse (BWA plus Bilanz), denn auch jede Mahnung wird im Computer registriert und gibt einen Minuspunkt.

Fazit:
Viele Bankkunden unterschätzen die Bedeutung der Kontoführung für das Kreditrating. Steuern Sie Zahlungsein- und -ausgänge bewusst, vermeiden Sie Überziehungen und erklären Sie dem Bankangestellten ungefragt alle ungewöhnlichen Entwicklungen auf Ihrem Konto.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried

Steuerfreie Leistungen problemlos miteinander kombinieren

Immer wieder taucht die Frage auf, ob eine steuerbefreite Leistung auf die andere angerechnet werden muss. Die meisten können jedoch parallel nebeneinander gewährt werden.
Beispiel: Eine Sekretärin trinkt am Schreibtisch jeden Tag Kaffee und eine Flasche Mineralwasser aus dem Büro-Kühlschrank (Wert im Monat: 20 Euro). Am 25. des Monats hat sie Geburtstag und bekommt einen Gutschein über
40 Euro für die Pizzeria gegenüber geschenkt. Zum Monatsletzten bekommt sie einen Benzingutschein für 44 Euro. Außerdem hat sie ein iPhone auf Firmenkosten, das sie fast nur privat verwendet.

Ergebnis: Alles steuerfrei, nichts wird aufeinander angerechnet. Die Getränke und der Kaffee im Büro sind gar kein Arbeitslohn laut Richtlinie 19.6 Absatz 2 LStR. Das Gleiche gilt auch für Aufmerksamkeiten aus einem persönlichen Anlass (z. B. Geburtstag, Verlobung usw.) bis maximal 40 Euro brutto (R 19.6 Abs. 1 LStR). Der Benzingutschein gilt als steuerfreier Sachbezug nach § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG und das Handy ist sowieso steuerbefreit nach § 3 Nr. 45 EStG.

Hier müssen Sie allerdings Acht geben: Steuerfreie Sachbezüge dürfen insgesamt maximal 44 Euro im Monat betragen. Würde die Sekretärin sich also im Monat drei Kästen Mineralwasser aus dem Büro mit nach Hause nehmen dürfen und zusätzlich noch den Benzingutschein bekommen, wäre die 44-Euro-Grenze gesprengt, und sowohl Benzingutschein als auch die Mineralwasserkästen wären voll steuerpflichtig.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried

„VWL“ nur noch bei niedrigen Einkommen sinnvoll

In manchen Gehaltsabrechnungen finden sich auch heute immer noch vermögenswirksame Leistungen („VWL“). Häufig unterliegen Chef und Arbeitnehmer dem Irrglauben, diese wären steuer- oder sozialversicherungs¬befreit. Das sind sie aber nicht.
Es gibt nur eine Arbeitnehmersparzulage, die Alleinstehende allerdings nur bis zu 20.000 Euro zu versteuerndem Einkommen im Jahr erhalten (Ehegatten das Doppelte). Falls mit der Sparrate „wohnungswirtschaftliche Zwecke“ gefördert werden, gelten sogar noch niedrigere Grenzen (17.900 Euro/35.800 Euro).

Fazit: Besser verdienende Angestellte, insbesondere Alleinstehende, profitieren überhaupt nicht von den vermögenswirksamen Leistungen. Man sollte hier darüber nachdenken, das Ganze umzustellen, z. B. auf eine steuerfreie Direktversicherung.

Ihr Steuerberater für Martinsried
Alfred Gesierich

Die häufigsten Fragen rund um Amazon- und eBay-Käufe

Immer mehr Unternehmen kaufen Literatur, Elektronik oder Verbrauchsmaterial im Internet (z. B. amazon/ebay) ein. Dabei ergeben sich einige steuerliche Fragen.
Deutsche Umsatzsteuer bei luxemburgischem Unternehmen? „Wie kann Amazon überhaupt deutsche Umsatzsteuer ausweisen? Amazon sitzt doch in Luxemburg?“ Antwort: Der Umsatz wird in Deutschland ausgeführt, da die Auslieferung von deutschen Logistik-Zentren aus erfolgt. Deshalb gibt es auch kein Problem mit dem Vorsteuerabzug – zumindest solange es sich um Warenlieferungen unmittelbar von amazon.de handelt.
Rechnung für kindle-Käufe? „Ich habe ein berufliches Fachbuch auf mein amazon-kindle geladen: Wo bekomme ich eine Rechnung her?“ Antwort: Gar nicht. Amazon Luxemburg stellt keine Rechnung für ebook-Lieferungen aus. Und die luxemburgische Umsatzsteuer können Sie ohnehin nicht als Vorsteuer geltend machen. Tipp: Bestellbestätigung als Beleg verwenden – und wenigstens den Bruttobetrag als Betriebsausgabe absetzen.

IPad mit italienischer MwSt.? „Ich habe über Amazon ein apple-iPad bestellt, das aus Italien mit 20 Prozent italienischer Umsatzsteuer geliefert wurde – was nun?“ Antwort: Dieser Umsatz wurde nicht von Amazon ausgeführt, sondern nur über Amazon vermittelt. Theoretisch müsste der italienische Lieferant umsatzsteuerfrei liefern, wenn Sie ihm Ihre UST-ID-Nummer angeben. Das wird er wahrscheinlich aber nicht machen. Unser Rat: Bei amazon-marketplace Bestellungen genau prüfen, wer der Lieferant ist und in welchem Land er sitzt. Finger weg von Lieferanten im Ausland.

Kein Umsatzsteuerausweis bei eBay-Kauf?
„Ich habe ein neues Notebook bei eBay ersteigert. Rechnung bekomme ich keine, weil der Verkäufer sagt, er sei Kleinunternehmer. Ist das korrekt? Der Mann hat 562 Bewertungen.“ Antwort: Dass das Notebook neu ist und die Zahl der eBay-Bewertungen deuten auf eine gewerbliche Tätigkeit hin. Eine Rechnung können Sie auf jeden Fall verlangen. Ob derjenige allerdings Kleinunternehmer im Sinne von
§19 UStG ist (bis 17.500 Euro Jahresumsatz möglich) und somit keine MwSt. ausweisen muss, können Sie schwer nachprüfen. Das nächste Mal am besten vorher fragen: „Haben Sie ein Gewerbe angemeldet? Haben Sie zur Umsatzsteuer-Regelbesteuerung optiert und können Sie Umsatzsteuer ausweisen?“ In jedem Fall können Sie den Bruttobetrag als Betriebsausgabe absetzen.

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried

Typische Streitfälle bei Reisekosten – und wie man sie löst

In manchen Unternehmen gibt es keine klare Reisekostenrichtlinie. Die Folge: Die Mitarbeiter wissen gar nicht, was sie dürfen und was sie nicht dürfen.

Muss der Arbeitgeber jede Hotelrechnung ersetzen? Nein, nur wenn sich der Mitarbeiter an die Reisekostenrichtlinie (diese kann auch ungeschrieben sein) gehalten hat. Wer ein Fünfsternehotel bucht, obwohl auch normale Hotels verfügbar gewesen wären, kann nicht erwarten, dass der Arbeit­geber die Kosten voll übernimmt.

Kann ein Mitarbeiter auch ins Fünfsternehotel gehen und die Differenz selber bezahlen? Ja, das ist natürlich möglich, und das kann er sogar steuerlich absetzen. In der Praxis setzt man den vollen Betrag ab und zieht die Arbeitgeber-Erstattung ab. Das Gleiche gilt, wenn jemand gerne erster Klasse fliegt bzw. Bahn fährt, die Firma aber nur Economy bzw. zweite Klasse ersetzt. Der Arbeitnehmer sollte es der Firma aber wenigstens leicht machen und selbst recherchieren und mit angeben, was eine Bahnfahrt zweiter Klasse bzw. ein normales Hotel statt des Fünfsternehotels gekostet hätten.

Muss der Arbeitgeber Essen bezahlen? Das muss er nicht. Die Über­nahme von Gasthausrechnungen wäre steuerlich auch ein lohnsteuerpflichtiger geldwerter Vorteil, sofern sie über die steuerlichen Verpflegungspauschalen hinausgingen (acht bis 14 Stunden: sechs Euro, 14 bis weniger als 24 Stunden: zwölf Euro, ganzer Tag Abwesenheit, also 24 Stunden): 24 Euro). Im Ausland gelten deutlich höhere Tages­pauschalen (z. T. über 70 Euro), die sich aus der Auslands-Reisekostentabelle ergeben. Kostenloser IZW-Lese­rservice: Die aktuellen Auslands-Reise­kosten können Sie hier als PDF-Datei herunterladen.

Wie ist das mit dem Frühstück? Frühstück kann ebenfalls nicht gesondert ersetzt werden, sondern ist auch mit der Verpflegungspauschale abgegolten. Auf der Hotelrechnung sollte das Frühstück entweder extra ausgewiesen sein oder es sollte angegeben sein „Übernachtung mit Frühstück“ oder „Übernachtung ohne Frühstück“. Im letzten Fall kann der Arbeitgeber natürlich den vollen Betrag der Hotelrechnung ersetzen.

Was gilt bei Frühstück im Ausland? Auf ausländischen Hotelrechnungen steht meistens nichts zum Frühstück drauf. In aller Regel akzeptieren es die Finanzämter, wenn der Arbeitnehmer handschriftlich bestätigt, dass in der Hotelrechnung kein Frühstück enthalten war.

Kann der Arbeitgeber Verpflegungspauschalen ersetzen, obwohl an dem Tag schon eine Bewirtung auf Firmenkosten stattgefunden hat? Steuerlich kann er das schon. Die Verpflegungspauschalen sind nicht zu kürzen, nur weil man dem Arbeitnehmer eine Teilnahme an einer geschäftlichen Bewirtung ermöglicht hat. Die Frage ist allerdings, ob man das zum Zweck der Kostenreduzierung bleiben lässt und keine Verpflegungspauschale auszahlt, wenn der Arbeitnehmer ohnehin schon auf Firmenkosten gespeist hat.

Herzliche Grüße,
Dipl.-Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried