Das ändert sich 2015 im Steuerrecht

Zum 1. Januar 2015 wurden eine Reihe von Änderungen im Steuerrecht beschlossen. Hier eine Auswahl der für Sie wichtigsten:

  • Betriebsveranstaltungen: Der Bundesfinanzhof hatte 2013 geurteilt, dass in die Prüfung der 110-Euro-Grenze nur Kosten einbezogen werden dürfen für Dinge, die der Arbeitnehmer konsumieren kann. Das wurde nun vom Gesetzgeber wieder gekippt. Die geplante Anhebung auf 150 Euro ist nicht gekommen. Allerdings wurde die bisherige Freigrenze von 110 Euro in einen Freibetrag umgewandelt. Das bedeutet an einem Beispiel: Die Kosten der Feier je Arbeitnehmer betragen 112 Euro. Bisher war das voll steuerpflichtig. Ab 2015 gilt: Es sind nur zwei Euro steuerpflichtig (112 minus 110 Euro Freibetrag).
  • Hörbücher: Die Umsatzsteuer für Hörbücher wird von 19 Prozent auf sieben Prozent gesenkt.
  • Rürup-Rente & Co: Ab 2015 wird der Sonderausgabenabzug für eine Basisversorgung (Rürup-Rente usw.) im Alter von 20.000 Euro auf 22.172 Euro angehoben (Verheiratete: doppelter Betrag).
  • Selbstanzeige: Steuerhinterzieher müssen künftig bereits ab 25.000 Euro und nicht erst ab 50.000 Euro hinterzogenen Steuern einen Zuschlag zahlen. Der Zuschlag erhöht sich von fünf auf zehn Prozent. Ab einer Steuerhinterziehung von 100.000 Euro steigt er auf 15 Prozent, ab einer Million Euro auf 20 Prozent. Zum Zuschlag kommen noch Hinterziehungszinsen hinzu. Die strafrechtliche Verjährungsfrist bleibt bei fünf Jahren. Allerdings muss man nun für zehn Jahre korrigierte Steuererklärungen nachreichen, wenn die Selbstanzeige wirksam sein soll.
  • Steuerfreie Betreuungsleistungen für Kinder und Pflegebedürftige: Der Arbeitgeber kann nun steuerfreie Serviceleistungen von bis zu 600 Euro im Jahr zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie anbieten.
  • Erstausbildung: Zweitausbildungen kann man unbeschränkt absetzen, Erstausbildungen (z. B. an einer Universität) aber nicht. Was freilich eine „Erstausbildung“ ist, war nie gesetzlich definiert. Das wurde nun nachgeholt. Damit will der Gesetzgeber all jenen einen Strich durch die Rechnung machen, die z. B. ein Studium als Werbungskosten absetzen wollten.
  • Versorgungsausgleich bei Scheidung: Ausgleichsleistungen zur Vermeidung eines Versorgungsausgleichs sind ab 2015 als Sonderausgaben abzugsfähig. Im Gegenzug erfolgt eine Versteuerung beim Empfänger.
  • Umsatzsteuer bei eBooks, Apps und Downloads: Für Leistungen, die auf elektronischem Weg (z. B. per Internet) verkauft, vermietet o. ä. werden (z. B. eBooks, Apps für Smartphones, Telekommunikationsleistungen oder Download von Filmen), wird ab 2015 der umsatzsteuerliche „Ort der Leistung“ an den Ort des Leistungsempfängers verlegt. Beim Verkauf an Unternehmen gilt das „Reverse-Charge“-Verfahren. Bei Verkäufen an Privatpersonen muss der Unternehmer mit der Mehrwertsteuer des Wohnsitzortes des Käufers fakturieren. Zur Vereinfachung können sich die Unternehmer beim Bundeszentralamt für Steuern registrieren lassen (www.bzst.de) und dort zentral ihre Umsätze in den einzelnen Ländern deklarieren (neudeutsch „Mini-One-Stop-Shop (MOSS)“).

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried

Wichtige Grenzbeträge im Steuerrecht

Grenzbeträge sind im Steuerrecht oft sehr wichtig und werden häufig durchein­andergebracht. Diese sollten Sie kennen:

Zehn Euro netto: Geschenke bis 10,00 Euro netto gelten als Streuwerbe­­artikel. Folge: Sie sind beim Empfänger nicht steuerpflichtig und man muss die Namen der Empfänger nicht notieren.

35 Euro netto: Diese Netto-Freigrenze gilt für Geschenke an Geschäftspartner. Geschenke dürfen höchstens bis zu dieser Grenze pro Kopf und Jahr als Betriebsausgabe abgezogen werden. Ein Cent darüber, und das Geschenk ist nicht abzugsfähig. Verpackungs- und Versandkosten erhöhen die Bemessungsgrundlage nicht. Vorsicht: Geschenke sind beim Empfänger steuerpflichtig! (ausgenommen Streuwerbeartikel bis zehn Euro; s. o.).

40 Euro brutto: Diese Grenze gilt für Geschenke an Mitarbeiter aus persönlichem Anlass (Geburtstag, Verlobung, usw.) und kann pro Jahr mehrfach genutzt werden. Ebenso muss diese Betragsgrenze zur Lohnsteuerfreiheit eingehalten werden bei Bewirtungen von Arbeitnehmern aus betrieblicher Veranlassung (zum Beispiel, um schnellere Weiterarbeit nach dem Essen zu gewährleisten).

44 Euro brutto: Diese Bruttofreigrenze gilt für steuerfreie Sachbezüge. Jeder Mitarbeiter kann im Monat maximal steuerfreie Sachbezüge (zum Beispiel Benzingutschein, Warengutschein) bis 44 Euro brutto erhalten. Ein Cent mehr und alles ist steuerpflichtig. 50 Euro: Seit 2004 veraltete Freigrenze.

72/75/80 D-Mark: Veraltete Grenzbeträge für Geschenke, die manche alten Buchhaltungshasen nur schwer aus dem Unterbewusstsein verdrängen können.

110 Euro brutto: Das ist die Bruttofreigrenze der maximalen Kosten je Arbeitnehmer bei Betriebsveranstaltungen (Weihnachtsfeier, Betriebsausflug usw.), bis zu der keine Lohnsteuer anfällt.

150 Euro netto: Das ist die Grenze für das geringwertige Wirtschaftsgut (GWG), wenn man die so genannte „Poolbewertung“ (von 150,01 bis 1.000,00 Euro netto) nutzen will.

150 Euro brutto: Für den Vorsteuer­abzug sind bei Rechnungen bis 150 Euro brutto (Kleinbetragsgrenze) folgende Angaben entbehrlich: Nettobetrag, Mehrwertsteuerbetrag in Euro und Cent, Rechnungsempfänger, Rechnungs- und Steuernummer. Sehr wohl müssen aber vorhanden sein: Vollständiger Name und Adresse des Rechnungsausstellers, Ausstellungsdatum, Bezeichnung der gelieferten Gegenstände und der Steuersatz (z. B. „19 % USt.“).

400 Euro brutto wie netto: Das ist die Obergrenze für den Monatslohn eines Minijobbers. Der vom Bundestag beschlossenen Anhebung auf 450 Euro muss der Bundesrat noch zustimmen.

410 Euro netto: Die alte und seit 2010 wahlweise wieder anwendbare Grenze für das geringwertige Wirtschaftsgut.

Herzliche Grüße
Dipl. -Kfm. Alfred Gesierich
Steuerberater für Martinsried